FAQ

Woher stammen die Wohnschiffe im Treptower Hafen?
Bei den meisten der im Treptower Hafen liegenden Wohnschiffe handelt es sich um ehemalige Bauhüttenschiffe der Wasserbaubetriebe der ehemaligen DDR. Nach der Wende und den damit verbundenen Umstrukturierungen der Wasser- und Schiffahrtsämter wurden die Schiffe über die VEBEG verkauft.
Im Treptower Hafen findet man also die letzte große Ansammlung historischer Schiffseinheiten der technischen Flotte, teilweise noch im Originalzustand.

Was ist ein Wohnschiff?
Ein Wohnschiff ist eine auf dem Wasser schwimmende, fest vertäute Behausung, die für den dauerhaften Wohngebrauch geeignet ist. Im Gegensatz zu motorisierten Hausbooten sind Wohnschiffe nicht oder nicht mehr fahrtüchtig, viele haben nie einen Motor gehabt. Wohnschiffe in Europa sind ehemalige Frachtkähne, umgebaute Schuten, Fahrgastschiffe oder Bauhüttenschiffe.

Was unterscheidet sie von Floating Homes oder Houses?
Im Gegensatz zu den Floating Homes oder Houses in Deutschland, sind Wohnschiffe keine extra gebauten Einfamilienhäuser auf dem Wasser, sondern ehemalige Arbeitschiffe von Berufsschiffern oder der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung. Im anglo-amerikanischen Sprachraum wird hier – auch bei Häuser auf Pontons – keine Unterscheidung gemacht.

Was sind Bauhüttenschiffe?
Bei Strombaumaßnahmen oder bei der Unterhaltung der Bundeswasserstrassen werden die Mitarbeiter, die zum Teil mehrere Wochen vor Ort auf dem Wasser sind, nicht in Pensionen an Land untergebracht, sondern auf extra hierfür gebauten Wohnschiffen, die wie beim Eisenbahnbaubau der Union Pacific mit der fortschreitenden Baustelle weitergeschoben werden. Diese unmotorisierten Schiffe sind für bis zu 16 Menschen ausgelegt und haben Schlafkojen, Waschräume, einen Gemeinschaftsraum sowie eine Kombüse.

Was bedeutet Schwimm-TÜV?
Wohnschiffe werden im Turnus von 4-10 Jahren für die Überprüfung der Schwimmtauglichkeit ins Trockendock geschleppt. Dort wird wie beim TÜV die technische Ausstattung und der Stahl des Rumpfs überprüft. Im Ergebnis erteilt der staatlich anerkannte Prüfer ein Attest, das eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, um einen Liegeplatz zu bekommen.

Verunreinigen die Wohnschiffe das Wasser?
Wohnschiffe sind mit einer Abwasser- und Fäkaliensammelanlage ausgestattet. Der Tank wird nach Bedarf etwa monatlich von einem Bunkerschiff oder von Land aus entsorgt. Eine Verunreinigung der Gewässer durch die Wohnschiffe ist also nur bei einer Havarie zu befürchten.

Warum schwimmt ein Schiff aus Stahl?
Jedes Kind weiß, dass ein Holzstück schwimmt während eine Eisenstange sofort untergeht. Abhängig von der Verdrängung ist die Auftriebskraft eines Körpers im Wasser genauso groß wie die Gewichtskraft des verdrängten Wassers. Dieses Prinzip, das vor über 2000 Jahren vom altgriechischen Gelehrten Archimedes entdeckt wurde, führt dazu, dass ein Stahlkörper, der mehr verdrängt als er einsinkt, solange schwimmt, bis er geflutet wird.

Kann es passieren, dass ein Wohnboot untergeht?
Wenn Wasser in die Bilge eindringt, das kann passieren, wenn sich Löcher in den Stahl gefressen haben, wenn es einen Zusammenstoß mit einem Motorschiff gibt oder wenn Leitungswasser aufgrund einer Leckage in den Rumpf eindringt, dann kann ein Wohnschiff sinken. Es gilt natürlich dies mit moderner Technik und Vorsorge zu vermeiden.

Haben die Wohnschiffe eine Heizungsanlage, gibt es Strom und Wasser?
Wohnschiffe verfügen über eine Heizölanlage, über Solarwärme oder eine Wärmetauschereinrichtung, auch sind gelegentlich Kamine oder Pelletheizungen anzutreffen. Aufgrund der geringen Raumhöhe sind Wohnschiffe im Winter sehr schnell warm zu bekommen. Strom kommt in der Regel aus dem städtischen Netz, es sind aber auch Selbstversorger mit Solarstrom und Windenergie anzutreffen.

Ist es erlaubt, auf einem Wohnschiff zu wohnen?
Ja, es ist ordnungsbehördlich erlaubt, dauerhaft auf einem Wohnschiff zu leben. Die Bewohner sind ganz normale, polizeilich gemeldete Bürger und Bürgerinnen mit Kindern, Großeltern und Hauskatze.

Was machen die Bewohner der Wohnschiffe bei Frost und Eis?
Wenn im Winter die Gewässer zufrieren, kann Dauerfrost die Wasserleitungen beschädigen. Vor allem die Nahtstelle zwischen der unter Wasser liegenden Zuleitung und dem Schiff ist ein neuralgischer Punkt. Im Übrigen macht der Eisgang dem Schutzanstrich der Wohnschiffe zu schaffen, dies hat erhöhte Unterhaltungsarbeiten zur Folge.

Kann ich ein Schiff mieten?
Weil die Kosten auf einem Wohnschiff kaum kalkulierbar sind, werden fast alle Wohnschiffe risikobewußt von ihren Eigentümern bewohnt. Die Selbstnutzung zeugt davon, dass die Wohnschiffer Liebhaber und Romantiker sind und keine Hausvermieter.

Kann ich ein Wohnschiff besichtigen?
Es ist durchaus möglich, einen Besichtigungstermin zu machen, allerdings sind bis März alle Termine ausgebucht. Wenden Sie sich einfach an uns per Email oder schauen Sie sich eines der Restaurantschiffe oder Hostalboote an der Oberbaumbrücke an.

Was ist bei wechselndem Wasserstand zu tun?
Der Wasserstand der berliner Gewässer ist staureguliert und variiert nur leicht bei Regenereignissen oder länger andauernder Trockenheit. Anders verhält es sich an Elbe oder Rhein, dort werden die Schiffe an Schwimmpontons festgemacht, die die Wasserstandsschwankungen ausgleichen.

Wie teuer ist ein Wohnschiff?
Bei der Frage nach dem Preis sind neben den Anschaffungs- und Ausbaukosten, auch die reguläre Instandhaltung samt Schlepper- und Dockkosten, die Nebenkosten, Beträge für Stegmiete, Ver- und Entsorgung, Heizöl und Schiffs-Versicherungen zu bedenken. Einen qm-Preis pro Monat oder beim Erwerb eines Wohnbootes gibt es nur im konkreten Einzelfall. Eins ist sicher, das Wohnen auf dem Wasser hat seinen Preis.

Wie viele Wohnschiffe gibt es Berlin?
Nach den uns vorliegenden Informationen gibt es rund 100 Wohnschiffe auf den berliner Gewässern, zusätzlich gibt es etwa 10 festliegende Restaurantschiffe und 2 Jugendschiffe. Die Wohnschiffe konzentrieren sich auf den Hafen Treptow, den Kolk am Saatwinkler Damm/Plötzensee und den Flutgraben am Charlottenburger Tor/Strasse des 17. Juni. Einige Wochenend-Wohnschiffe liegen an der Langen Krampe, auf der Dahme. Im Vergleich hierzu spielen Amsterdam (etwa 2.500), Seattle (500 Wohnschiffe), Vancouver, Paris, London und San Fransisco in einer anderen Liga. Auch in Hamburg wird seit einigen Jahren die Idee des Lebens auf dem Wasser mit etwa 100 neuen Liegeplätzen vorangetrieben.

Woher kommt die Idee des „Wohnen auf dem Wasser“?
Berlin gehört mit fast 7% Wasseranteil, das entspricht rund 60 km², zu den wasserreichsten Metropolen Europas. Angeblich hat Berlin mehr Brücken als Venedig. Erst allmählich wendet sich die Stadtgesellschaft wieder der Spree und den Kanälen zu. Wohnen und Arbeiten auf dem Wasser ist halt sanktioniert: Für jemanden, der ein Wohnschiff in Berlin festmachen will, weht wenig Begeisterung für Wohnschiffe entgegen, obwohl es einige interessante Stelle gibt. Auf der anderen Seite gibt es mit dem Badeschiff an der Arena ggü. dem Osthafen auch über Deutschland hinaus bekannte Leuchtturmprojekte und mit den Floating home-Projekten in der Rummelsburger Bucht und dem Spandauer Nordhafen tritt Berlin neben der Lausitz und Hamburg auf diesem Sektor in Erscheinung. Von den ehemals 50 Spreebadestellen und dem ehemals häufig auf den Schiffen lebenden Binnenschifferfamilien ist das moderne Berlin aber noch sehr weit entfernt.

Stimmt es, dass ein Wohnboot von 20 m Länge rund 70 t wiegt?
Der Stahl der Wohnboote ist 4 bis 6 mm dick, die Schiffsbreite liegt zwischen 4 und 5 Meter, die Aufbauten sind etwa 2,50 m hoch. Alles in Allem ergibt sich bei 20 m Länge ein Gewicht von etwa 50 t, wenn alle Tanks voll sind, kommt ein Gewicht von 10 bis 20 t dazu.

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